Meer Moabit

Moabit ist eine Insel. Das heißt, dass ich es vollständig umschwimmen könnte. Das heißt auch, dass es mit ein paar Posten auf Brücken schnell absperrbar ist, wie es wegen der Gebrüder Sass gemacht wurde. Von vielen Stellen ist das Wasser nicht weit. Weg. Die Mücken auch nicht, wenn es warm ist. Besonders ist aber der Himmel an den Stellen, die da sind, wo das Wasser ist, im Norden noch verstärkt von den vielen Gleisen des alten Morbider Güterbahnhofes, die neben dem Westhafen liegen (um von dort früher besser Waren umladen zu können. Silos stehen auch da).
Der Himmel verfärbt sich meistens schlierend, wie wenn Farben in Wasser gegossen werden, um es dann mit einem Papier aufzunehmen. Das haben wir im Kindergarten am Holsteiner Ufer gemacht, genauer gesagt, im Hort. Dafür musste ich als Kind eine Brücke überqueren, und dann noch unter einer anderen Brücke durch, die wir die „Huh“-Brücke nannten, weil wir dort immer mit über dem Mund flatternden Händen durchliefen und dabei „Huh(uhuhuhuhuh)“ riefen.
Ich bin am Ufer aufgewachsen und gucke gerne in die Spree. In meiner Jugend saß ich oft am Ufer, eigentlich mit einem Buch, zog an den Weiden (die wippen) und schaute in das fließende Wasser.
Meine liebsten Beschäftigungen heute (neben Lesen, Nachdenken, Kochen, Reden und ins Theater oder Kino gehen): Schwimmen und Rudern. Sich im Wasser bewegen und dadurch mit dem Wasser bewegen, nicht fließen, aber selbst treiben. Ohne den Grund zu berühren. Vielmehr berührt das Wasser mich.