Wasserblogs

Ich wollte einen Schwimmbadroman schreiben. Was man beim Schwimmengehen in der Großstadt, noch dazu einer mit einer so kreativen Verwaltung wie Berlin, alles bedenken muss, was einem unterkommt, was ich erlebt habe. Selbstverständlich alles autobiographisch. Sozusagen ein Enthüllungsroman in Badekleidung. Und vom Schwimmen selbst, vom Wasser. Von der Bewegung, vom „Gleiten, Ziehen“ (Blauer Abend in Berlin, Oskar Loerke), der veränderten Erfahrung nach dem Auftauchen.

Nun habe ich festgestellt, dass Chlorhuhn (Petra) diesen Text bereits geschrieben hat.

Ich lasse mich durchs Wasser gleiten. Ein Armzug, die Arme dann eng an den Körper gelegt. Dann spüre ich erneut, wie das Wasser an mir vorbeiströmt. Wie ich hindurch gleite. Auf dem Edelstahlboden des Beckens sehe ich meinen Schatten. Zum Spaß mache ich einen Delfinkick. Einfach, um meine Kraft zu spüren. Alles verschwimmt in diesem Moment. Ich bin ganz bei mir und freue mich auf die jetzt noch knapp 3.000 Meter, die vor mir liegen. An manchen Tagen flößen sie mir ein bisschen Respekt ein, an manchen nicht. Ganz egal, wie gut oder schlecht das Folgende läuft – die ersten paar Meter unter Wasser, dieses Gleiten und Spüren der Strömung – das ist für mich immer das Schönste am Schwimmen!“

(Chlorhuhn am 26. 12. 2014)

Gestolpert bin ich über ihren Blog über den von Kraulquappe („Eintauchen in eine chlorreiche Gegenwart, einer verschwommenen Zukunft entgegen“), der ich bereits seit einiger Zeit folge. Die Schwimmblogger*innen begehen gerade das (offensichtlich offizielle) Ende der Freibadsaison.

(Berlin hat, wie üblich, in jedem Bad eine unterschiedliche Regelung, die meistens im Bad aushängt, dann aber auch noch mal spontan geändert wird, also typisch Berliner Schwimmbadzustände, in diesem Fall aber in seiner Kreativität flexibel,so dass hier weiterhin Bäder offen haben! Das Strandbad Plötzensee hat übrigens ebenfalls noch offen, steht nicht auf der Website, kann sein, dass auch andere noch offen haben, ausprobieren! #derberlinersonderweg)

Dass über Wasser zu schreiben genug Stoff für ein ganzes Schriftstellerwerk ist, weist John von Düffel seit 1998 nach. Auch er beschäftigt sich mit dem Schwimmen in einer minutiösen Detailperspektive. Dieser Fokus auf einzelne Dinge ist tatsächlich eine Perspektive, die beim Schwimmen entsteht. Die Zeit, die es braucht, Bahnen zu schwimmen, geben einen Rahmen vor. Das Einatmen, Eintauchen, Durchziehen wiederholen sich. In diesem Zeitraum ist Platz dafür, Gedanken nachzuhängen, an einer Erinnerung hängen zu bleiben, aber auch eine Bewegung ein paar Bahnen ganz bewusst zu beobachten. Das Wasser zu spüren bedeutet, eine Grenze für den eigenen Körper zu spüren, da hört er auf. Wenn ich nichts anderes spüre, weiß ich: Das hier ist mein Körper, da ist das Wasser. Es gibt Ruhe, Zeit und Fokus. Rhythmus und Bewegung. Das spiegelt sich auch in der Erzählweise der Wasserblogger und Ehren-Wasserblogger-in-Printversion wie John von Düffel wieder.

Der Hessische Rundfunk hat über diesen Zusammenhang einen 14-minütigen, aber sehr informierten Tonbeitrag (klicken:hören) gemacht.

Die Freibadsaison mag bald vorbei sein, aber die Seen handhaben diesen einheitlichen Saisonzyklus, so wie ich das überblicke, flexibel. Und es gibt ja noch das Hallenbad. Aber das ist eine (nicht völlig) andere Geschichte.

Stella Goldschlag / Neuköllner Oper

                                                                                                                                                         eine unmusikalische Opernrezension

Die Neuköllner Oper inszeniert das Leben der jüdischen Greiferin Stella Goldschlag, die 1922 in Berlin geboren wurde (Libretto Peter Lund, Komposition Wolfgang Böhmer). Sie spielte eine Rolle in vielen Biographien von während der NS-Zeit untergetauchten Juden, sogenannten U-Booten. Das Wagnis, ein reales, umstrittenes Leben zu dramatisieren und zu vertonen, zwischen Dokumentation (Fakten müssen untergebracht werden) und Reduktion (wie kann man einem Menschen gerecht werden, dessen Erleben ein paar Stunden lang zur Identifikation einlädt?) gelingt in einer Meditation über Blickrichtungen und Urteilen.

Das Publikum sitzt sich im Bühnenbild von Sarah Katharina Karl in zwei Blöcken gegenüber, in der Mitte ein Kubus aus Metallrahmen mit Glas dazwischen, wie ein Gewächshaus. Je nach Licht spiegeln diese Flächen, und man sieht sich als Publikum selbst, und dahinter den gegenüberliegenden Block, zwischen an Gefängnisgitter erinnernden Metallstangen.

Eine Sängerin, fünf Sänger, Frederike Haas spielt die Stella mit blonden Perücken, durchgängig, während die fünf Männer wechselnde Rollen übernehmen: ihren Vater, ihren guten Freund Gregor, Adolf Eichmann, Gestapo, SS, ihre drei Ehemänner.

Die Männer tragen Anzüge und sehen gleich aus, nur ihre Schuhe unterscheiden sich: Polierte Anzugschuhe, Turnschuhe, Armeestiefel … in ihrer Gleichheit werden sie zu einer Mehrheit, in der die einzelne Frau verschwindet.

Die meiste Zeit verbringt Stella innerhalb des Glaskubus‘, klettert in ihm per Leiter zu ihrem Vater aufs Dach, liegt auf dem Boden, probiert Kleider an, lehnt sich an die Wände oder versucht sie zu durchbrechen.

Stella bleibt in ihrem Kasten eingeschlossen, die Männer umkreisen den Korpus der wie ein Käfig erscheint, wenn die Glasflächen durchsichtig sind, lachen, diskutieren, bleiben souverän, letztlich frei und diskutieren über sie, Stella.

Das Publikum schaut zusammen mit den Männern auf sie, und gleichzeitig in der Spiegelung auf sich selbst zurück. Damit gibt das Bühnenbild ein erlebbares Abbild der Debatte um die Schuld der jüdischen Mittäter während der Verbrechen der NS-Zeit. Es wird geurteilt über Menschen, die wenig Möglichkeiten hatten, aus einer Position, die frei und sicher ist. Im Blick auf die Betroffenen herrscht der Spiegel der eigenen Position vor, so wie sich das Publikum im Bühnenbild spiegeln kann: Es beschäftigt sich letztlich mit sich selbst. War ich vielleicht weniger schuldig, wenn ich diese Person betrachte?

Es geht um das Publikum, um Handlungsspielräume und Urteilen – Urteilen über jemanden mit wenig Handlungsspielräumen, gespiegelt und identifiziert in Männern, die in viel einfacheren Positionen sind, mit Bewegungsräumen, Teil einer Gruppe, die scheinbar ganz genau wissen, wie das alles zu sehen sei.

Das ist eine der wichtigsten Fragen nach dem Holocaust: Ihn nicht als klaren, monolithischen Block zu sehen, der abgehakt werden kann. Etwas über ihn auszusagen bedeutet immer auch, sich damit auseinanderzusetzen, wo die Verhaltensweisen, die ihn möglich gemacht haben, heute existieren. Und das hat viel mit Gruppen, Individuen und dem Urteilen über Menschen zu tun.

Mit neun Nominierungen führt diese Inszenierung verdient die heute veröffentlichte Auswahl der Jury für den Deutschen Musicalpreis an und wird hoffentlich bald wieder in den Spielplan aufgenommen.

Westdeutschland

David Wagner: Vier Äpfel und Meine Nachtblaue Hose

Als ich klein war, war Westdeutschland ziemlich weit weg, man musste zum Autobahnkreuz Dreilinden fahren, dort sechs Stunden warten, danach vier Stunden Autobahn fahren, und dann war man da. Zumindest war das mein Eindruck. Da die Mauer erst fiel, als ich neun war, waren 10 Stunden proportional zu meinem Gesamtleben eine lange Zeit. Aber es gab Bücher, allen voran Jo Postum, Peter Härtling und Dagmar Kekulé, da kam man schneller hin, mein Hauptversorgungspunkt war die Bibliothek in Altstadt Spandau, weil die Bibliothekarin dort so nett war, und weil sie viel mehr Bücher hatten als die Hansa-Bibliothek.

Daher hatte ich eine Vorstellung von Westdeutschland, es gab dort Jugendzentren und Baggerseen, Landstraßen mit schwarzweißen Pfeilern an beiden Seiten, mit links zwei Punkten und rechts einem senkrechten Streifen in der schwarzen Bandierung, weiß, und vor und nach Einfahrten rot – letzteres ist wieder eigenes Erleben, das sich mir auf nächtlichen Fahrten eingeprägt hat.

Später, im Studium, lernte ich einige dieser Einfamilienhäuser in kleineren Städten kennen, während ich Kommilitonen zu Hause besuchte. Grillen im Garten, ausgelegte Trittsteine, befestigte Tischdecken, an denen kleine schöne Plastikfrüchte hängen.

Ich fand das alles sehr interessant, so in das Leben der anderen Menschen einzutauchen, in Dinge, die ihren Alltag geprägt hatten, ohne dass sie darüber nachdachten.

Dies ist ein sehr langer Vorspann, um darüber zu reden, dass ich gerade David Wagner lese. Ein sympathischer Mensch. Eine sehr schöne Sprache. Getragen von einem langsamen Klang. Tieffliegende Erinnerungen an ein Westdeutschland, das ich von diesen Kommilitonenbesuchen kenne, Gegenstände auf dem gedeckten Tisch, Marmeladenzubereitung, Lebensmittelaufbewahrung spielen eine wichtige Rolle. Eine nachtblaue Hose hat die frühere Zugehfrau des Erzählers ihm über den Stuhl gehängt.

Neulich war ich bei einem Diaryslam. Dort lesen Leute aus ihren Tagebüchern vor, meist aus der Zeit, als sie 10 – 18 waren. Es kam mir wie eine sehr informative Veranstaltung vor, in der ich wirklich viel über die Jugend an anderen Orten lernte. Von Menschen, denen damals etwas wichtig war, damals ihr Leben wichtig war.

David Wagner erinnert sich. Die emotionale Intensität der Texte, entfaltet sich in der kurzen Distanz bei der Beschreibung der Gegenstände. Es gibt keine Fragen, keine Themen, nur Alltagserinnerungen, in denen Emotionen mitgeliefert werden. Das ist alles. Was ist das? Erzählt er das, in einer Welt, in der nichts mehr wichtig ist, weil für alles gesorgt ist? Ist nur noch wichtig, was mal wichtig war, als man noch nicht den Überblick hatte, als noch alles relevant war?

Es ist für mich nicht relevant. Als jemand, der nicht so aufgewachsen ist, sagt mir der Text nichts. Ich denke nur, ich müsste da gelebt haben, wo die Eier in Paletten von acht mal sechs geliefert wurden, um zu dem Wir zu gehören, das dieser Text voraussetzt. Es ist, als müssten meine eigenen Erinnerungen das ausgleichen, was der Autor mir nicht erzählt. Mir fehlt das Wasser, um dieses Instantpulver aufzugießen, es bleibt trocken.

Ja, da ist eine Liebe in Vier Äpfel. Die Erinnerungen an eine Frau mit dem bezeichnenden Namen L. begleiten den Erzähler durch einen Supermarkt. Ich mochte die Erzählstruktur sehr, ich mag die Fußnoten zu Äpfeln, Eiern und Speisenkellern.

Sie sind nett, die Fußnoten dahingegen im Knackstedt von Michael-André Werner, die ich auch sehr liebe, kommentieren jedoch klug, witzig, geben dem Text eine andere Farbe, Tiefe, sind Abstufungen und Schattierungen die irritieren und mir etwas über die Fragen erzählen, die die Welt stellt. Die in Vier Äpfel erinnerte Beziehung zu der Frau ist zu austauschbar, und die Erinnerungen an Marken sagen mir nichts.

Das einzige Kapitel das in mir die Idee geweckt hat, es könnte noch um etwas gehen, die sich leider nicht konkretisiert hat:

„51

Wer oder was bestimmt mich? Ich glaube, ich bin eine Biene, die durch den Supermarktgarten fliegt, die Verpackungen sind meine Blüten, Form und Farben, Schrift und Geruch verführen mich. Geruch? Aber ich rieche doch gar nichts, ist ja alles verpackt. Ich bin dressiert darauf, auf Formen, Farben und Schriften zu reagieren, bin vielleicht kein perfekter, alles in allem jedoch ein zuverlässiger Konsument, denn ich kaufe die Marken, die ich kenne und schätze und schon immer kaufe, und bin ich mit ihnen glücklicher als mit den Produkten ohne Namen, meine Marken sind noch bei mir, L. ist es nicht.“

Ich hatte Fragen als Jugendliche, ich habe Dinge erlebt, die mir wichtig waren, und dieser Prozess endete mit dem Ende der Jugend nicht. Wenn ich in Texten diese Fragen und Erfahrungen wiederfinde, oder wenn sie Fragen und Themen in mir ansprechen, kann ich den ganzen Weg einer Figur mitgehen.

Die bloße Erinnerung an Gegenstände reicht für mich dafür nicht aus.

„So ist es gewesen“, schreibt Gustav Seibt auf dem Klappentext. Formiert sich da ein deutsches Wir, das vergisst, dass es andere Menschen in Deutschland gibt? Das seine Identität aus der langweiligen, aber beruhigenden Privatvergangenheit des eigenen Reihenhausaufwachsens schöpft?

Der allgemeingültige Ton ist verwirrend und beunruhigend: die Unzufriedenheit mit der Belanglosigkeit des Lebens, die im Eigenen Bedeutung sucht statt den Blick nach Außen zu richten. Die deutsche Teilung, Einkunftsunterschiede, de facto Armut, Herkunftsunterschiede, Scheitern an Grenzen, die es in der Gesellschaft gibt, gehen in dieser Faszination mit der Belanglosigkeit der eigenen Jugend unter, die sich in der nachtblauen Hose eine Stimmung entwickelt wie ein schwüler Tag am Rhein.

„Eine Reise an den Rhein und in die Kindheit einer Generation“ schreibt der Klappentext – die Kindheit der Bundesrepublik fand am Rhein statt, dort wuchs sie politisch auf, soweit könnte man noch gehen, vermutlich würde man bei Böll (z. B. in Billard um halbzehn) Unterstützung für diese These finden, aber es ist nicht die Kindheit einer Generation. Wenn es die Kindheit einer Generation wäre, dann hätten wir in Deutschland wirklich nichts anderes zu beschreiben und politisch nichts anderes zu tun als traurig zu sein dass uns der eigene Überfluss keine besseren Schreibthemen beschert. Das lullt aber alles ein, es lädt dazu ein, wegzugucken. Der Mangel an Themen ist nicht das einzige Problem, das es in Deutschland gibt. Die Menschen, die in Reihenhäusern in Westdeutschland aufgewachsen sind, sind nicht die einzigen, die es in Deutschland gibt. Ein Problem gibt es wenn sie nicht nur den Ton angeben, wie es zu sein scheint, sondern außerdem nichts von den anderen wissen.

Publicradio

Radio hat auch Wellen. Man muss sie nur irgendwo einfangen. Und hören. Man sieht sie nicht, es gibt unzählige Frequenzen über die Töne, Worte, Inhalte in der Luft sind.

Frequenzen sind geregelt, wenn zu dicht aufeinander gesendet wird, gibt es Interferenzen. Eigentlich etwas Erstrebenswertes.

Dinge, die sich zu etwas Neuem vermischen, in Kontakt kommen.

Berlin ist eine große Stadt mit der dankenswerten Tradition, die andere zu lassen, wie sie ist, und den anderen, wie er ist. Du musst nicht sein wie ich, damit du in dieser Stadt existieren kannst. Read More

Nachtrudern

Bin völlig unvorbereitet und -eingenommen um acht Uhr abends im Verein angekommen, nach einer Hinfahrt zwischen schwarz-gelb-gekleideten Fussballfreund*innen mit Bockwurst auf dem Handteller.

Ich dachte, wir fahren einfach ein bißchen am Abend. Es war ja noch hell, heller als es im Winter mittags je wird. Als ich die Verteilung der Kühlboxen und Lebensmitteltaschen auf die zwei Boote beobachtete, wurde mir jedoch klar, dass es sich um eine Wanderfahrt handelte, obendrein noch um eine sogenannte Zielfahrt, eine Untereigenheit der Ruderer*innen, ihre Fahrten zu kategorisieren und in Sommer-, Winter- und Jahreswettbewerben zu feiern: Es macht nichts, wenn man nicht daran teilnimmt, aber wenn man eh schon mal rudert, gibt es immer wieder mal Versammlungen mit Medaillenverleihungen, z. B. wenn man vom 1. April bis 31. 10. (der Ruderer-Sommer, hat nichts mit Temperaturen zu tun, auch wenn es vorher oder nachher warm ist) mindestens 4 Zielfahrten und mindestens 800 km (in meiner Altersklasse) gerudert ist. Eine Zielfahrt braucht mindestens 20 km (und das Erreichen eines anderen Zielbereiches als des Heimatzielbereichs (in unserem Fall Zielbereich 2, Erklärungen im unter „Sommer“ verlinkten PDF 🙂 ), also sind wir 20 km gerudert. 10km hin, zu Welle Poseidon am Wannsee (Zielbereich 3), haben da Pause gemacht, der Mond wanderte von hinter einem Baum beständig nach rechts, während wir auf der Terrasse saßen, aßen, tranken, die Lichter auf dem Wannsee sahen, die Fußballfans beim Elfmeterschießen stöhnen und grölen hörten, und um 23.14 der Mond völlig rund wurde (wurde mir gesagt). Read More

Meer Moabit

Moabit ist eine Insel. Das heißt, dass ich es vollständig umschwimmen könnte. Das heißt auch, dass es mit ein paar Posten auf Brücken schnell absperrbar ist, wie es wegen der Gebrüder Sass gemacht wurde. Von vielen Stellen ist das Wasser nicht weit. Weg. Die Mücken auch nicht, wenn es warm ist. Besonders ist aber der Himmel an den Stellen, die da sind, wo das Wasser ist, im Norden noch verstärkt von den vielen Gleisen des alten Morbider Güterbahnhofes, die neben dem Westhafen liegen (um von dort früher besser Waren umladen zu können. Silos stehen auch da).
Der Himmel verfärbt sich meistens schlierend, wie wenn Farben in Wasser gegossen werden, um es dann mit einem Papier aufzunehmen. Das haben wir im Kindergarten am Holsteiner Ufer gemacht, genauer gesagt, im Hort. Dafür musste ich als Kind eine Brücke überqueren, und dann noch unter einer anderen Brücke durch, die wir die „Huh“-Brücke nannten, weil wir dort immer mit über dem Mund flatternden Händen durchliefen und dabei „Huh(uhuhuhuhuh)“ riefen.
Ich bin am Ufer aufgewachsen und gucke gerne in die Spree. In meiner Jugend saß ich oft am Ufer, eigentlich mit einem Buch, zog an den Weiden (die wippen) und schaute in das fließende Wasser.
Meine liebsten Beschäftigungen heute (neben Lesen, Nachdenken, Kochen, Reden und ins Theater oder Kino gehen): Schwimmen und Rudern. Sich im Wasser bewegen und dadurch mit dem Wasser bewegen, nicht fließen, aber selbst treiben. Ohne den Grund zu berühren. Vielmehr berührt das Wasser mich.