Berlinale Tagebuch Tag 5, Montag 19.02. 2018

14.45 7 Days in Entebbe, Wettbewerb, Regie José Padilha

Oje. Dieser Wettbewerb. Daniel Brühl und Rosamunde Pike als RAF-Terroristen, die 1976 gemeinsam mit der Volksfront zur Befreiung Palästinas eine Air-France-Maschine entführen und von Entebbe (Uganda) aus mit der israelischen Regierung verhandeln.

Rosamunde Pikes deutsche Aussprache wurde allgemein gelobt, aber mich haben ihre Betonungen bei jedem deutschen Satz, der länger als 8 Silben war, so aus dem Film geworfen, dass ich mich die ganze Zeit über gefragt habe, warum sie keine deutsche Schauspielerin genommen haben, wenn die Figur deutsch reden soll.

Der Film beginnt mit Einblendungen von historischen Rahmendaten. 1948. Der Film tut so, als böte er den historischen Kontext, die Erklärung, warum alles so ist wie es ist. Das hält er auf allen Ebenen durch. Die Diskussionen innerhalb des israelischen Kabinetts zwischen Schimon Peres und Yitzhak Rabin finden statt neben laufenden Tonbändern, um zu sagen: So war es. So ist es wirklich gewesen. Auch während der anschließenden Pressekonferenz war das die Antwort auf die Frage, wieso er sich für diese historisch umstritte Darstellung des Verhaltens von Yonathan Netanyahu (des Bruders des daraufhin in die Politik gegangenen Benjamin Netanyahu, der einen Militär-Einsatz während der Krise in Entebbe geleitet hat) entschieden hat: So war es. Für die Wahrheit muss man keine Erklärung liefern.

Die Frage ist, ob das als Film funktionieren kann.

19.00 Verlorene, Perspektive Deutsches Kino, Regie Felix Hassenfratz

Als ich mit Linda Söffker, der Kuratorin der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“, vor Festivalbeginn sprach, sagte sie, es würde viel Ähnliches eingereicht: Sie wären froh, wenn sie etwas Neues, Frisches, Anderes fänden, und das Ergebnis wäre die Reihe, wie sie zu sehen ist.

Ganz bestimmt ein Film, der für sich funktioniert und eine eigene Welt erschafft. Keine besonders neue Geschichte, sondern eine, die gern das Krasse zeigt, anstatt sich mit den Untiefen des Normalen zu beschäftigen. Schwäbisch mit Untertiteln, herausragende Darsteller. Das Innenleben einer Orgel und die oft gesehene Dynamik innerhalb einer Familie. „Der Architekt“ von Ina Weisse mit Sandra Hüller macht das besser.

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