Get Out, Jordan Peele, USA 2017

Nachts. Chris steht noch mal auf, um eine zu rauchen. Die Landschaft vor dem Haus entfaltet sich im Mondlicht, der Rasen schimmert bläulich. Er tritt auf die Zufahrt. Jemand rennt, rennt auf ihn zu, Walter, der Schwarze Gärtner, der wie angewurzelt den Weg gesäumt hat, als Chris mit dem Auto ankam, er rennt auf ihn zu wie bei den 100 Metern Sprint auf der WM, bis – (spoiler).

 

Die Story

Chris Washington (Daniel Kaluuya), wie der Name schon sagt All American Boy, außerdem Schwarz, und Rose Armitage (Allison Williams), All American Girl, weiß wie aus der Tommy-Hilfiger-Werbung, sind seit vier (glaubt er) oder fünf (findet sie) Monaten ein Paar. Sie fahren übers Wochenende zu ihren Eltern, auch weiß, zum Kennenlernen aufs Land. Ein Horrormovie. Es gibt auch eine Party.

Und, wie finden wir das?
Es lief doch alles so prima. Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden eine Wirtschaftsmacht mit billigen Arbeitskräften, kluger Planwirtschaft (Baumwolle in vernünftig großen Plantagen) und dem allgemeinen Recht auf das Streben nach Glück. Ein bisschen unheimlich war es schon, dass die Schwarzen Bediensteten mit ihrem Gesichtsausdruck immer was anderes zu sagen schienen als das, was sie dann tatsächlich äußerten („Yes, Ma‘am), aber diese Ur-Angst des Weißen konnte man prima im Genre des Horrorfilms verarbeiten. Zum Beispiel “Der verbotene Schlüssel“ mit Kate Hudson (2005): Eine junge weiße Pflegerin wird auf einem abgelegenen Gut eingesetzt, auf dem die Schwarzen Dienstboten einen Kult aus Afrika weiterpflegen (machen die ja bekanntlich so), der ihnen Seelenwanderung erlaubt. Die unheimlichen Schwarzen tun nur so, als wären sie brave Diener. Eigentlich wollen sie die Körper der unschuldigen, gutmeinenden Weißen.
Rassismus wird mit fundierter Tradition und viel Erfahrung praktiziert. Sklaverei, schlecht bezahlte Hausangestellte, der Profisport (Chris wird im Film gefragt „Warum bist du kein Sportler? Mit deinem Genmaterial und deinem Körperbau wärst du ein verdammtes Tier“).

In ihnen lebt ja noch das wilde Afrika. Gleichzeitig sind sie aber auch ziemlich cool, eigentlich wollen wir alle in ihre Haut schlüpfen. „People want to be stronger, cooler, like black people.“ „I want your eye. I want those things that you see.“ Die Liebe des weißen Mannes, der Obama auch noch ein drittes Mal gewählt hatte, ist noch gefährlicher als seine Verachtung, auch wenn diese Form des Rassismus auch schon nicht ganz ohne ist (siehe Geschichtsbücher oder wahlweise Nachrichten).

 

Chris braucht auch einen Schlüssel, nicht um in die geheimen Kammern des Hoodoo-Kults vorzustoßen, sondern um den Motor des Fluchtautos anzuwerfen.

Get Out“ ist wörtlich gemeint. Ein gut gemeinter Ratschlag.
Gruseligster Dialog

Noo noo noo noo no no no no. The Armitages are so good to us, they treat us like family.“

Georgina (Schwarze Hausangestellte) völlig aus dem Kontext, als sie sich entschuldigen will (soll?), dass sie das Ladekabel aus Chris‘ Mobiltelefon entfernt und nicht wieder angesteckt hat.

 

Reaktionen aus dem Publikum

Ab und zu erschrecktes Aufquieken und die lautstarke Luftdekompression, wenn zu lange angehaltener Atem entweicht. Leichte Lacher, die dem Quieken folgen.
Äh, und der Bechdel-Test?

Ja. Roses Mutter Misty rät der Schwarzen Hausangestellten Georgina, sich doch vielleicht hinzulegen, nachdem sie fast ein Glas mit Eistee zum Überlaufen gebracht hat.

 

Fazit

Dieser Film versteht sich auf den Gruselfaktor Realität, die nicht aufhört wenn man den Kinosaal verlässt, und versetzt den brisanten Cocktail mit hochprozentiger Schauspielerleistung und Soundeffekten nach allen Regeln der Kunst.

 

Diese Rezension (mit leichten Änderungen) wurde zuerst veröffentlicht bei ZurQuelle.

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