Auf See, Notizen zur Gartenlesung

Es hakt etwas mit den Transporten in der megavernetzten superglobalisierten Welt, alles ist noch nicht ganz nah. Der Verlag Frohmann stellte sein neues (E-/)Buch vor, das elektronisch bereits veröffentlich ist, nur das Paket mit der Printausgabe hängt noch in der Post. Der nächste Transport kommt aber bestimmt. Große Teile des Textes wurden gestern bereits gelesen, wenn ich das richtig verstanden habe, und darum schreibe ich über die Hörversion. Jetzt ist gestern noch frisch, die Gedanken und die Stimmung vor, während und nach dem Gewitter und unter den Flugzeugen, die wegen des Wetters die Route über das Frohmannsche Haus genommen haben.

Seefahren, auf dem Wasser unterwegs sein, über Land fahren, woanders hinkommen, Flugzeuge sind heute oft das Mittel der Wahl. Einfach einmal drüber. Darunter ist alles gleich überwindbar, keine Steigungen oder Wegbeschwerden auf staubiger oder schlammiger Straße. 1977 wurde das Flugzeug „Landshut“ entführt und überflog mehrere Länder, landete zum Nachtanken zwischen und flog schließlich mit einer kaputten Maschine Mogadischu an, weil andere Flughäfen gesperrt waren. Damit nahm ein kompliziertes Netz an Kommunikation der Staaten Somalia und Deutschland seinen Ausgang, in diplomatischen Absprachen und Kontobewegungen, auch die Reiseverbindung war teil davon, tatsächlich wurde ein Direktflug Frankfurt-Mogadischu eingerichtet. Michaela Maria Müller hat in den Archiven des Auswärtigen Amtes mit ihrer Recherche Facetten der Konstellation gefunden, die über das Allgemeinwissen „Landshutentführung“ hinaus gehen.

Deutsch-Somalische Verquickungen hin und zurück: 2012 fand in Hamburg der Piratenprozess statt. Mit einem Piraten an Bord darf man eigentlich keinen Hafen anlaufen (merken für alle Fälle), darum wurden die Piraten, die „auf hoher See festgenommen“ wurden, an der somalischen Küste wieder frei gelassen, bis sich Deutschland bereit erklärte, in Hamburg, wo das internationale Seegericht sitzt, den ersten Piratenprozess seit mehr als 400 Jahren zu veranstalten.

Urteil: Nichts nachweisbar, nichts nachprüfbar, denn man kommt dazu nicht genug ins Land. Es ist schwer, nach Somalia reinzukommen, nicht nur wegen der Grenzen, sondern weil es eine geschlossene Gesellschaft ist.

Diese Recherche bildet den 1. Teil von „Auf See„. Und zwar den Hintergrund, wie in einem Bild, in dem die Maler*in erst die Landschaft anlegt. Er ist erzählt wie die Geschichtsschreibung von Cicero, mit den handelnden Politikern als Helden. „würde sie dem stattgegeben haben …“ hätte sich das und das ereignet (ich warte auf das Buch, um das nachzulesen, was ich nicht mitschreiben konnte), entlang der Entscheidungen von Menschen.

Geschichte wird ja oft weitergegeben durch Geschichten, als mich eine in der DDR aufgewachsene Freundin fragte, was denn die Landshutentführung war, sagte ich, „Hm, also damals wurde ein Flugzeug aus Frankfurt entführt, und es war …“

Es mag ein seltener begangener literarischer Weg sein, Fakten und Fiktion zusammen zu stellen, aber es ist letztlich dieselbe Geschichte in der diese fiktiven Menschen und wir leben. Diese Fiktion anonymisiert die Geschichte von zwei Menschen, sie werden dadurch nicht aktenkundig, weil die Quellen nicht festgehalten werden müssen.

„Die Kinder hatten die Stadtgebiete unter sich aufgeteilt“ wie die Erwachsenen es mit der Welt erfolgreich versuchen, abgesehen der Wassergebiete vor der Küste Somalias, dort herrschen keine Gesetze, was die Fischerei der einheimischen Fischer erschwert, weil das Recht des Stärkeren herrscht, das Recht des größeren Bootes und der größeren Fangnetze.

Samir wird Pirat, weil er keine großen Berufs-Alternativen hat. In „Holzkohle und Zucker ist die kenianische Armee verstrickt“. Er ist ungelernt und bekommt ein viertel von seinem Kollegen, der Fischer ist, um an der Küste im Ruderboot Fracht zu transportieren.

Es geht um Transportwege, was Menschen verbindet, um die Menschen hinter den Zahlen der Statistik und ihre Geschichten, um das Aufeinandertreffen, von einem Hin und einem Her in einer Welt mit verstrickten Hintergründen über die uns Sachbücher informieren, in der Menschen leben.

Ich schreibe mehr, wenn das Buch endlich da ist, auf dem Postweg, hoffentlich übermorgen.

 

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2 Kommentare

  1. Maria · Mai 31, 2016

    Danke für den interessanten Artikel, ich bekomme richtig Lust, das Buch zu lesen! Hoffentlich enthakt sich der Postweg bald!

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    • ankedoersam · Juni 9, 2016

      Das Buch ist mittlerweile angekommen, auf dem Postweg. Jetzt liegt es beim Nachbarn. Auch ein Thema bei Transport und Kommunikation: Der Nachbar! Viele Grüße und ich freue mich zu hören, was Du sagst, wenn Du es gelesen hast!

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